:: 369/2016

Statistisches Monatsheft Dezember 2016

Bedeutung und Entwicklung der marginalen Beschäftigung in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg waren im Jahr 2015 insgesamt fast 785 000 Personen ausschließlich geringfügig, kurzfristig oder in einer Arbeitsgelegenheit beschäftigt. Damit war mehr als jeder achte Erwerbstätige im Land marginal beschäftigt. Nicht zuletzt aufgrund der Einführung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohnes wurde dieser Stellung im Beruf aktuell wieder besondere Aufmerksamkeit zuteil. Schließlich waren es in erster Linie die marginal Beschäftigten, die zu Stundenlöhnen arbeiteten, die teilweise noch unterhalb der neu gezogenen Mindesthöhe lagen. Von 2014 auf 2015 sank ihre Zahl um 2,3 % und war damit so niedrig wie seit 2003 nicht mehr. Seit 2003 haben sich nicht nur die marginal Beschäftigten, sondern auch andere Beschäftigungsformen spürbar gewandelt.

Erneut weniger Verurteilte in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg ist die Zahl der Verurteilten 2015 nunmehr im achten Jahr in Folge zurückgegangen. Besonders erfreulich ist, dass der Rückgang 2015 erstmals wieder in allen Altersgruppen zu beobachten war. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 102 600 Personen rechtskräftig verurteilt, das sind 2 200 bzw. 2,1 % weniger als 2014.

Den prozentual stärksten Rückgang der Verurteiltenzahl gab es in der Altersgruppe der Jugendlichen. Unter den gerichtlich Verurteilten waren 37 200 Personen mit ausländischer Nationalität, das waren 6,4 % mehr als ein Jahr zuvor. Im Gegensatz dazu gab es bei den deutschen Verurteilten einen Rückgang um 6,4 %.

Fast drei Viertel aller Verurteilungen entfielen auf fünf Straftatengruppen, nämlich Betrug und Untreue, Straßenverkehrsdelikte, Diebstahl, Drogen- und Gewaltdelikte. In vier dieser größten Straftatengruppen gab es im Jahr 2015 weniger Verurteilungen als 1 Jahr zuvor. Die Ausnahme bildete die Gruppe der Diebstahlsdelikte. Hier nahm die Zahl der Schuldsprüche im dritten Jahr in Folge zu.

Innovationsindex 2016: Baden-Württemberg im europäischen Vergleich

Innovationen – neue bzw. verbesserte Produkte, Dienstleistungen oder Produktionsprozesse – sind auch weiterhin der Schlüssel zur Steigerung der nationalen sowie internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Dies wird besonders am Beispiel der fortschreitenden Automatisierung und digitalen Vernetzung von Produktionsanlagen in der industriellen Fertigung deutlich. Fundierte Kenntnisse über die Innovationsfähigkeit einer Region sind daher sowohl für die Politik zur Gestaltung von förderlichen Rahmenbedingungen als auch für die Wirtschaft zur Auswahl von geeigneten Forschungs- und Entwicklungsstandorten unerlässlich. Eine Messung der Innovationsfähigkeit ist jedoch nur indirekt möglich. Aus diesem Grund wurde vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg der Innovationsindex entwickelt. Dieser Index bündelt die EU-weiten Daten von sechs Innovationsindikatoren in einer Kennzahl und ermöglicht somit einen Vergleich der Innovationsfähigkeit der Regionen in der Europäischen Union (EU). Im nachfolgenden Beitrag werden die Ergebnisse der Berechnung des Jahres 2016 vorgestellt.

Die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft – die Branche IT-Dienstleistungen in Baden-Württemberg

Die Digitalisierung hat den Alltag der Menschen verändert. Viele, vor allem jüngere Menschen, können sich ein Leben ohne Smartphone und soziale Medien gar nicht mehr vorstellen. Die Digitalisierung hat zu einem Wandel in vielen Bereichen des täglichen Lebens geführt. So haben sich, um nur einige Beispiele zu nennen, das Kommunikationsverhalten, die Formen der Informationsbeschaffung, das Freizeitverhalten, die Einkaufsgewohnheiten deutlich verändert. Die Digitalisierung birgt große Chancen, aber auch Risiken für die Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Nicht zuletzt wird in der Digitalisierung auch ein großes Potenzial für die Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und baden-württembergischen Wirtschaft gesehen. Unternehmen, die IT-Dienstleistungen anbieten, spielen im Rahmen der Digitalisierung eine wichtige Rolle. Im vorliegenden Beitrag werden deshalb die wichtigsten Eckdaten der Branche IT-Dienstleistungen in Baden-Württemberg – auch im bundesweiten Vergleich – dargestellt.

Das Handwerk in Baden-Württemberg

Ergebnisse der registergestützten Handwerkszählung 2014

Das Handwerk ist ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaft in Deutschland und in Baden-Württemberg. Die Wirtschaftsmacht von nebenan – so der Werbeslogan des deutschen Handwerks – spielt nicht nur eine wichtige Rolle in den wirtschaftlichen Wertschöpfungsprozessen, sondern ist darüber hinaus auch ein bedeutender Arbeitgeber. Nicht zuletzt kommt dem Handwerk bei der beruflichen Ausbildung und der Weitergabe und Pflege von Wissen eine zentrale Stellung zu. Im vorliegenden Beitrag wird nach einem einleitenden Überblick über das Handwerk in Baden-Württemberg und Deutschland die Bedeutung des baden-württembergischen Handwerks für die Wirtschaft im Land insgesamt betrachtet.

Ferner werden die Strukturen und die Entwicklung des Handwerks in Baden-Württemberg dargestellt. Die Daten stammen aus der Handwerkszählung. Seit dem Berichtsjahr 2008 werden die Ergebnisse der Handwerkszählung nicht mehr durch direkte Befragung der Handwerksunternehmen gewonnen, sondern basieren auf der Auswertung des statistischen Unternehmensregisters und auf Daten der Handwerkskammern.

Weiterentwicklung der Gesundheits-ökonomischen Gesamtrechnungen der Länder

Wertschöpfungs- und Erwerbstätigenansatz

Im Rahmen der Arbeitsgruppe Gesundheitsökonomische Gesamtrechnungen der Länder (AG GGRdL) wurden bisher jährlich die Gesundheitsausgaben und das Gesundheitspersonal für die Bundesländer ermittelt. Beginnend mit dem Jahr 2016 werden zum ersten Mal auch die Bruttowertschöpfung und die Zahl der Erwerbstätigen in der Gesundheitswirtschaft im engeren Sinn (i.e.S.) errechnet. Mit der Realisierung eines solchen länderübergreifenden Wertschöpfungsansatzes zur Quantifizierung der Gesundheitswirtschaft soll der wachsenden Bedeutung der Gesundheitswirtschaft Rechnung getragen werden. Denn der Gesundheitsbereich wird nicht nur aus Kostengesichtspunkten, sondern zunehmend auch als Wirtschaftsbranche mit einem hohen Wachstums- und Beschäftigungspotenzial wahrgenommen. Im Folgenden werden zum einen kurz die Methodik des Wertschöpfungs- und Erwerbstätigen-Ansatzes dargestellt, und schließlich zum anderen die aktuellen Ergebnisse präsentiert.

Die Landespreisstelle Württemberg im Ersten Weltkrieg

Die Verwaltung des Mangels

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam es in der deutschen und somit auch der württembergischen Wirtschaft zu einer massiven Umstellungskrise. Die deutsche Wirtschaft war nicht auf einen lange andauernden industriellen Abnutzungskrieg vorbereitet. Die einsetzende starke Kriegskonjunktur, brachte massive gesellschaftliche und soziale Veränderungen mit sich. Das zivile Leben an der Heimatfront war von Kriegsbeginn an von Mangel und wachsender Not geprägt. Die im ersten Kriegsjahr auf unterschiedlichen Entscheidungsebenen von verschiedenen Zivilbehörden auf kommunaler, einzelstaatlicher und Reichsebene ohne klare Zentralisierung praktizierte Zwangsbewirtschaftung der Lebensmittel gestaltete sich oft sehr schwierig. Erst durch eine Verordnung des Bundesrates vom 25. September 1915 wurden in den einzelnen deutschen Bundesstaaten Preisprüfstellen eingerichtet. Im Königreich Württemberg war dies die Landespreisstelle.

Im Blickpunkt: Die Stadt Gundelsheim

In diesem Beitrag aus der Reihe Im Blickpunkt stellt das Statistische Landesamt die Stadt Gundelsheim vor. Das Landesinformationssystem Baden-Württemberg (LIS) bietet mit seiner Fülle an Regionaldaten interessante Erkenntnisse zu ihrer Struktur und der Entwicklung. So lässt sich festhalten, dass die Bevölkerungszahl zwar niedriger liegt als vor 10 Jahren, die Beschäftigungssituation sich hingegen verbessert hat und dass ausländische Touristen vergleichsweise gerne in Gundelsheim Station machen.

Dr. Richard Kössler – Einblicke in den großen Erfahrungsschatz eines Berufsstatistikers

Was sich aus statistischen Erhebungen an Informationen und Erkenntnissen gewinnen lässt

Nach seinem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau mit anschließender Promotion in diesem Fachbereich begann Dr. Richard Kössler im Februar 1982 seine langjährige, außerordentlich ertragreiche Berufstätigkeit im Statistischen Landesamt Baden-Württemberg. Von Beginn an demonstrierte er in diesem für ihn zunächst neuen beruflichen Umfeld seine großen Fähigkeiten der wissenschaftlichen Analyse von statistischen Erhebungsergebnissen, die so nur auf der breiten Grundlage eines tiefgründigen Verständnisses methodischer Prinzipien leistbar ist. Mit seiner Fähigkeit, wissenschaftlich-theoretische Erkenntnisse auf das tägliche Erhebungsgeschäft in der amtlichen Statistik übertragen zu können, erwarb er sich früh große Anerkennung sowohl von Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern als auch von den Nutzern seiner Analysen, die im Laufe seines Berufslebens stetig zunahm. Nicht allein mit seinen wissenschaftlichen Fähigkeiten, sondern insbesondere mit seinem jederzeit kollegialen Verhalten und seiner absoluten Zuverlässigkeit bei der Zusammenarbeit erreichte Dr. Richard Kössler, dass er ein überaus geschätzter und sehr beliebter Kollege im großen Kreis der amtlichen Statistik ist und bleiben wird. Mit diesem Beitrag möchten wir – auch stellvertretend für die Kolleginnen und Kollegen im Statistischen Landesamt Baden-Württemberg – unsere uneingeschränkte Anerkennung ihm gegenüber zum Ausdruck bringen und unseren großen Dank für all seine geleistete Arbeit aussprechen.

Im Folgenden versuchen wir eine Vorstellung über das breit gefächerte Themenspektrum und die inhaltlichen Schwerpunkte zu vermitteln, die Dr. Kössler in rund 35-jährigem Dienst des Landes Baden-Württemberg bearbeitet hat.