Deutschlands größte Haushaltsbefragung!

Grafik: Mikrozensus ThemenbereicheDer Mikrozensus ist die größte Haushaltsbefragung in Deutschland, mit der seit 1957 wichtige Daten über die wirtschaftliche und soziale Lage der Bevölkerung ermittelt werden. Befragt wird 1 % der Bevölkerung, das sind in Baden-Württemberg jährlich rund 50 000 Haushalte. Die Ergebnisse des Mikrozensus dienen als Grundlage für politische, wirtschaftliche und soziale Entscheidungen in Bund und Ländern, stehen aber auch der Wissenschaft, der Presse und den interessierten Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung.

Informationen für Berichtpflichtige

Was ist der Mikrozensus?

Der Mikrozensus ist eine gesetzlich angeordnete repräsentative Befragung zur Bevölkerungsstruktur sowie zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Bevölkerung. Sie wird seit 1957 jedes Jahr bei 1 Prozent aller Haushalte in Deutschland durchgeführt. In Baden‑Württemberg sind dies etwa 50 000 Haushalte und Gemeinschaftsunterkünfte. Sie werden stellvertretend für die gesamte Bevölkerung zu ihren Lebensbedingungen befragt. Die Befragung ist streng vertraulich und die Daten werden nur für statistische Zwecke verwendet.

Seit 1968 wird mit dem Frageprogramm des Mikrozensus auch die Arbeitskräftestichprobe der EU erhoben. Die Daten zur Erwerbstätigkeit und Beschäftigung liefern wichtige Informationen über die Situation auf dem europäischen Arbeitsmarkt. Die Daten dieser Arbeitskräftestichprobe sind Grundlage für gemeinschaftliche EU-Programme zu mehr Beschäftigung, besserer Ausbildung und gegen Arbeitslosigkeit.

Wieso wurde ich (und meine Familie) für die Erhebung ausgewählt?

Befragt wird im Mikrozensus eine per Zufallsverfahren bestimmte Stichprobe. Dabei wurden nicht direkt Sie als Person ausgewählt, sondern es wurde die Wohnung, in der Sie wohnen, zufällig ausgewählt.

Grundlage dieser Zufallsauswahl ist das bewohnte Bundesgebiet. Es ist in Flächen mit etwa gleich vielen Wohnungen eingeteilt. Von diesen sogenannten Auswahlbezirken werden jährlich 0,25 Prozent neu in die Erhebung einbezogen. Die Wohnungen in einem Auswahlbezirk liegen normalerweise in räumlicher Nähe. Daher ist es wahrscheinlich, dass auch einige Ihrer Nachbarn für die Teilnahme am Mikrozensus ausgewählt wurden. Alle Haushalte, die in einer Wohnung in einem Auswahlbezirk wohnen, werden innerhalb von fünf aufeinander folgenden Jahren normalerweise viermal befragt, etwa im Abstand von einem Jahr. Damit wird jährlich rund 1 Prozent aller Haushalte befragt.

Der Mikrozensus wird unterjährig durchgeführt, das heißt, dass der Stichprobenumfang von etwa 50 000 Haushalten gleichmäßig auf alle Monate und Wochen des Jahres verteilt wird und somit pro Woche rund 1 000 Haushalte in Baden‑Württemberg befragt werden.

Kann ich die Befragung ablehnen?

Nein. Der Gesetzgeber hat für die meisten Fragen des Mikrozensus eine Auskunftspflicht (§ 13 Mikrozensusgesetz) vorgesehen, damit eine repräsentative Stichprobe der Bevölkerung gewährleistet ist. Das heißt alle Mitglieder eines ausgewählten Haushaltes müssen an der Befragung teilnehmen. Die Auskunftspflicht gilt für Volljährige sowie Minderjährige, die einen eigenen Haushalt führen. Für Minderjährige oder Menschen mit Behinderung, die nicht selbst Auskunft geben können, müssen andere volljährige Personen des Haushalts antworten.

Von der Auskunftspflicht kann niemand befreit werden, auch nicht alters- oder krankheitsbedingt. Würden nicht alle Personen antworten müssen, so wären nicht alle Bevölkerungsgruppen in der Stichprobe in ausreichender Zahl vertreten und der Zweck des Mikrozensus würde nicht erreicht werden.

Wie läuft eine Befragung ab?

Damit die Befragung für Sie so einfach und unkompliziert wie möglich wird, bieten wir Ihnen die Unterstützung durch unsere Interviewerinnen und Interviewer an. Diese sind sorgfältig von uns ausgewählt und geschult worden und sie sind zur strikten Verschwiegenheit verpflichtet.

Die Befragung wird von ihnen in einem persönlichen Interview mit einem Laptop durchgeführt. Diese Art des Interviews ist für Sie als Befragten am wenigsten zeitaufwendig und Sie haben die Möglichkeit, Verständnisfragen direkt an den Interviewer zu richten.

1) Die Ankündigung

Die Interviewerinnen und Interviewer kündigen sich einige Tage vor ihrem geplanten Besuch schriftlich bei Ihnen an. Mit dieser Ankündigung erhalten Sie folgende Unterlagen:

  • Ein Ankündigungsschreiben über die Amtliche Haushaltsbefragung Mikrozensus des Statistischen Landesamtes mit handschriftlicher Angabe Ihres Namens und Adresse
  • Eine Informationsblatt zum Mikrozensus
  • Eine orangefarbene Terminankündigungskarte der Interviewerin/des Interviewers
  • Ein Faltblatt mit Ergebnissen des Mikrozensus

Dass Ihr Name und die Anschrift handschriftlich eingetragen werden, liegt an der Auswahl der Stichprobe. Die Interviewerinnen und Interviewer erhalten die für die Erhebung ausgewählten Adressen. Die Bewohner der ausgewählten Wohnungen werden von den Interviewerinnen und Interviewern erst im Rahmen einer »Begehung« vor Ort anhand der Briefkästen- bzw. Klingelschilder ermittelt. Die Interviewerinnen und Interviewer tragen Ihren Namen und Ihre Anschrift dann in der Regel handschriftlich in die Ankündigungsschreiben ein, da sie aus Datenschutzgründen keine privaten Computer und Drucker dafür verwenden dürfen.

Der Termin auf der orangefarbenen Terminankündigungskarte ist ein Vorschlag der Interviewerin/des Interviewers. Falls Sie zu dem vorgeschlagenen Termin keine Zeit haben, vereinbaren Sie bitte direkt mit der Interviewerin/dem Interviewer einen neuen Termin. Die Kontaktdaten finden Sie auf der Terminankündigungskarte.

2) Das Interview

Die Interviewerin/Der Interviewer hat Ihnen auf der Terminankündigungskarte einen Befragungstermin vorgeschlagen. Wenn Sie diesen wahrnehmen können, kommt die Interviewerin/der Interviewer zu diesem Termin in Ihren Haushalt. Die Interviewerin/Der Interviewer darf Ihre Wohnung allerdings nur mit Ihrer Zustimmung betreten. Sie/Er weist sich dazu mit einem Interviewerausweis des Statistischen Landesamtes aus.

Ein Interview dauert ungefähr zwischen 20 und 60 Minuten. Die Dauer hängt auch davon ab, ob Sie in einem Ein- oder Mehrpersonenhaushalt leben und ob Sie erwerbstätig sind oder nicht.

3) Alternative zum Interview

Als Alternative zum persönlichen Interview besteht für Sie auch die Möglichkeit, einen Fragebogen selbst auszufüllen. Bitte nehmen Sie dazu direkt Kontakt mit der Interviewerin/dem Interviewer (Kontaktdaten finden Sie auf der Terminankündigungskarte) auf und fordern Sie einen Fragebogen an. Den vollständig ausgefüllten Fragebogen schicken Sie bitte ausreichend frankiert an das Statistische Landesamt Baden‑Württemberg zurück (§ 15 Absatz 5 BstatG)

Das Statistische Landesamt Baden‑Württemberg empfiehlt die persönliche Befragung mit einer Interviewer/einem Interviewer, da dieses mit weniger Aufwand für Sie als Befragten verbunden ist.

In unserem Muster-Fragebogen können Sie sich einen Überblick über die Fragen verschaffen.

Was wird beim Mikrozensus erfragt?

Die Fragen, die jedes Jahr im Mikrozensus gestellt werden, beziehen sich auf unterschiedliche Themenbereiche:

  • Angaben zur Person (zum Beispiel Geschlecht, Geburtsjahr, Familienstand, Staatsangehörigkeit, Migrationshintergrund)
  • Erwerbstätigkeit, Beruf, Arbeitsuche
  • Schulbesuch, Studium, Aus- und Weiterbildung
  • Höchster schulischer und beruflicher Bildungsabschluss
  • Lebensunterhalt, Einkommen (nach Einkommensklassen)
  • Wohnsitz und Erwerbsbeteiligung

Zu anderen Themen werden Sie in der Regel nur alle vier Jahre befragt. Dazu gehören Fragen zu folgenden Themenbereichen:

  • Wohnsituation
  • Kranken-, Renten-, und Lebensversicherung
  • Pendlerverhalten
  • Gesundheit

Ihre persönlichen Angaben wie Name und Anschrift dienen nur zur Organisation der Befragung im Statistischen Landesamt, z.B. um zu überprüfen, ob die Fragebögen vollständig im Statistischen Landesamt eingegangen sind. Diese sogenannten »Hilfsmerkmale« werden strikt von den restlichen Angaben (»Erhebungsmerkmale«) getrennt gespeichert, vertraulich behandelt und vor Zugriffen sicher geschützt. Alle Erhebungsunterlagen einschließlich der »Hilfsmerkmale« werden nach Abschluss der Aufbereitung der letzten Befragung vernichtet bzw. gelöscht.

Auf freiwilliger Basis können Sie uns als weiteres Hilfsmerkmal auch eine Telefonnummer für Rückfragen mitteilen. Das erleichtert uns im Falle von versehentlich unvollständig ausgefüllten Fragebögen die Vervollständigung Ihrer Angaben. Liegt uns die Telefonnummer nicht vor, müssen offene Fragen auf schriftlichem Weg geklärt werden.

In unserem Muster-Fragebogen können Sie sich einen Überblick über die Fragen verschaffen.

Was passiert mit meinen Daten?

Alle erhobenen Einzelangaben unterliegen dem Datenschutz und der statistischen Geheimhaltung und werden weder veröffentlicht noch an Dritte weitergegeben. Die Angaben dürfen nur für statistische Zwecke verwendet werden. Nach Eingang und Prüfung der Daten im Statistischen Landesamt werden diese anonymisiert, das heißt Namen und Anschrift werden von den Erhebungsmerkmalen getrennt gespeichert. Die Daten werden anschließend zusammengefasst und als Landes- und Regionalergebnisse weiterverarbeitet und veröffentlicht. In allen Daten, die statistisch ausgewertet und veröffentlicht werden, sind keine Namen und Anschriften vorhanden und also auch keine Informationen über einzelne Personen.

Wer nutzt die Daten des Mikrozensus?

Die Daten des Mikrozensus bilden für Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft, Presse und nicht zuletzt für interessierte Bürgerinnen und Bürger eine aktuelle Informationsquelle über die wirtschaftliche und soziale Lage der Bevölkerung, der Familien und der Haushalte, den Arbeitsmarkt, die Berufsstruktur und die Ausbildung. Viele Schlagzeilen in den Medien zur Bildung, zur Migration oder auch zum Rauchverhalten oder zur Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln basieren auf Ergebnissen des Mikrozensus.

Die Daten des Mikrozensus sind eine wichtige Planungs- und Entscheidungsgrundlage. Sie ermöglichen es, den Handlungsbedarf bei sozialen und wirtschaftlichen Themen zu erkennen und helfen somit adäquate Lebensbedingungen für die Bevölkerung zu schaffen und nutzen somit jedem Einzelnen.

Welche gesetzlichen Regelungen gibt es?

Grundlage für die Mikrozensusbefragung ist das Mikrozensusgesetz 2017 in Verbindung mit dem Bundesstatistikgesetz. Folgende Punkte sind dort unter anderem gesetzlich geregelt:

  • Gesetzliche Auskunftspflicht: § 13 Mikrozensusgesetz 2017 in Verbindung mit § 15 Bundesstatistikgesetz
  • Geheimhaltung: § 16 Bundesstatistikgesetz
  • Trennung und Löschung von Angaben: § 14 Mikrozensusgesetz 2017 in Verbindung mit § 12 Bundesstatistikgesetz
  • Freiwillige Beantwortung der Fragen zur Europäische Union (EU)-Arbeitskräfteerhebung: § 18 Absatz 2 Bundesstatistikgesetz
  • Rechte, Pflichten und Einsatz der Interviewerinnen und Interviewer: § 12 Mikrozensusgesetz 2017 in Verbindung mit § 14 Bundesstatistikgesetz
  • Erhebungsmerkmale: §§ 6 ff. Mikrozensusgesetz 2017
  • Hilfsmerkmale: § 11 Mikrozensusgesetz 2017
  • Widerspruch und Anfechtungsklage gegen die Aufforderung zur Auskunftserteilung haben keine aufschiebende Wirkung.